Na hör mal:

https://www.audiyou.de/freesounds/88/

Nach dem Bautzenbesuch rätselte ich doch, weshalb mir da so viel Tierisches begegnete. Da war einerseits diese Ausstellung von Kristof Grunert zu sehen, andererseits bannt Heike Dittrich wirklich so, dass mir das Wort „virtuos“ in die Tastatur huscht, Tiere auf Papiere. Bei Almut-Sophia Zielonka spielen ja Tiere – und Menschen! – in den meisten Szenarien und Narrationen, die sie malt, eine gewichtige Rolle. Dass der Realismus in Bautzen eine andere Rolle spielt, als andernorts ist vielleicht dem Stellenwert des Realismus in der Vergangenheit entwachsen. Wie frei ist die Kunst schon?

Ich habe wahrgenommen, dass die HFBK Dresden den Schwerpunkt „Anatomie“ in der künstlerischen Ausbildung stark hervorhebt. Hier gibt es eine sehr komplexe Sammlung, die aktuell in einem Projekt neu durchdacht wird.
Erschließung, Erforschung und Nutzung der Anatomischen Lehrsammlung und der Gemäldesammlung der Hochschule für Bildende Künste Dresden https://artonomia.de/

[Artonomia] ist die Website für das Projekt “KÖRPER und MALEREI”. Unter der Überschrift „Vernetzen – Erschließen – Forschen“ hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2016 eine Allianz für universitäre Sammlungen ins Leben gerufen. 

Ich selber las im Studium Rousseau und lieb ihn irgendwie und sollte ruhig nochmal hinlesen. Zum Beispiel aus  Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen, übers. und hg. von Philipp Rippel, Stuttgart 1998:

„Ich sehe in jedem Tier nicht nur eine kunstvolle Maschine, der die Natur Sinne gegeben hat, um sich selbst wieder aufzuziehen und sich bis zu einem bestimmten Grad gegen alles zu schützen, was danach strebt, sie zu zerstören oder in Unordnung zu bringen. Genau dieselben Dinge nehme ich in der menschlichen Maschine wahr, mit dem Unterschied, dass bei den Verhaltensweisen der Tiere die Natur allein alles tut, während der Mensch bei den seinen als frei Handelnder mitwirkt. Jenes wählt oder verwirft aus Instinkt, dieser durch einen Akt der Freiheit, was mit sich bringt, dass das Tier nicht von der Regel abweichen kann, die ihm vorgeschrieben ist, selbst wenn es vorteilhaft für es wäre, dies zutun, und dass der Mensch oft zu seinem Schaden davon abweicht. So würde eine Taube neben einer mit bestem Fleisch gefüllten Schüssel verhungern und eine Katze auf Haufen von Früchten oder Korn, obgleich sich beide sehr wohl von dem Futter, das sie verschmähen, ernähren könnten, wenn sie auf den Gedanken kämen, davon zu kosten. So überlassen sich die ausschweifenden Menschen Exzessen, die bei ihnen Fieber und Tod verursachen, weil der Geist die Sinne verdirbt und der Wille noch spricht, wenn die Natur schweigt. […]

Wenn aber die Schwierigkeiten, die alle diese Fragen umgeben, auch einigen Raum lassen mögen, über diesen Unterschied zwischen Mensch und Tier zu streiten, so gibt es doch eine andere sehr spezifische Eigenschaft, die beide unterscheidet und über die es keinen Streit geben kann: Dies ist die Fähigkeit, sich zu vervollkommnen, eine Fähigkeit, die mit Hilfe der Umstände nacheinander aller anderen Fähigkeiten entwickelt und die uns ebenso als Gattung wie als Individuen innewohnt; wohingegen ein Tier nach einigen Monaten das ist, was es sein ganzes Leben lang sein wird, und seine Gattung nach tausend Jahren das, was sie im ersten dieser tausend Jahre war. Warum kann allein der Mensch geistesschwach werden? Liegt es nicht daran, dass er so zu seinem anfänglichen Zustand zurückkehrt und dass – während das Tier, das nichst erworben hat und auch nichts zu verlieren hat, immer mit seinem Instinkt verbunden bleibt – der Mensch, wenn er durch das Alter oder andere Umstände alles verliert, was seine Perfektibilität ihn erwerben ließ, noch tiefer fällt als selbst das Tier?“

Existenzentänzchen. Na, denk mal an. Ich denk mal drüber nach und gehe nun meiner ganz alltäglichen Triebbefriedigung nach, die verstärkt wird durch zwei weitere Lebewesen, deren Grundbedürfnis „Nahrungsaufnahme“ gestillt werden muss, auch wenn sie nicht mehr ganz hilflos sind: ich koch mal was für uns und hoffe, später noch Atelierzeit zu haben. Vielleicht kann ja die Kommentarfunktion zu mehr tierisch-menschlich- animalisch-bestialisch-hochkultiviert oder anders gearteter Erkenntnis oder Debatte verhelfen. Notfalls vielleicht ein paar Katzenbilder?

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