Iris Brankatschk

Heidelberg – Bautzen / Bautzen – Heidelberg

Die Interaktion von Mensch und Landschaft ist Ansatz der bildnerischen Artikulation meiner Gemälde und Zeichnungen. (Hinter)lassenschaften wie Tagebauwüsten aber auch Wasserbauten, Container, Kähne, selten eine Figur, zeugen davon. Die Lausitz ist mein Ort von Geschichte, der Ort, an welchem ich dem magischen Moment nachspüre.

Weiter setze ich mich mit Geschichte, Herkunft und Kindheit auseinander. Im Sinne William Faulkners »Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen« spürte ich dem doppelten Boden von Handlungen nach.
Daraus erwächst ein Muster, welches sich mit der Landschaft verbindet, mit Feldern, Wasser, Gräben und Flüssen der Lausitz.

Bautzen ist Hauptort der Oberlausitz wie Cottbus der der Niederlausitz ist. Die Lausitz ist historisches Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden. Die Region ist bikulturell geprägt seit über 1000 Jahren.

Ich bin in Bautzen geboren und zweisprachig aufgewachsen. Hier habe ich meine Kindheit verlebt. Prägend war unter anderem das Gründerzeithaus mit unendlich hohen Räumen und großem Garten, in welchem meine Familie wohnte. Die sorbische Schule war ein altes, historisches Gebäude. Alles sehr spannend.

Jedoch lebten meine Großeltern auf dem Dorf (in der Ober- und Niederlausitz) und waren Bauern, so daß es nicht nur ein Stadtleben gab, sondern auch ein Dorfleben, ein sehr mit der Natur verbundenes Erleben.

Mag sein, daß erlebte Bräuche, teilweise archaische, Tracht und Mythologie unmodern erscheinen, jedenfalls ist es ein Reichtum für mich selbst.

Das heißt nicht, das Stadt- oder Großstadtleben, wie ich es während meines Studiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig genossen habe, dazu im Widerspruch stehen. Jeder Ort ist voller Geschichte, diese aufzuspüren wird jeder auf seine Weise tun.


Leben und Werk – Heike Dittrich

Bautzen ist eine kleine, sehr schöne und von wunderbarer Natur umgebene Stadt.

Hier lebe und arbeite ich. In einer Atelierwohnung an den Wallanlagen verbindet sich mein Atelier mit den Räumen der FREIEN SCHULE FÜR BILDENDE KÜNSTE HEIKE DITTRICH. Diese Schule umfaßt Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und besteht seit 12 Jahren. Ich liebe meine Arbeit in diesem Rahmen und es macht mir immer wieder Freude mit Menschen kreativ zu sein. Der Vorreiter ist allerdings meine Arbeit im Atelier. Im Frühjahr 2019 habe ich in meiner Galerie, GALERIE ANTONSTADT DRESDEN, eine große Ausstellung. In der Malschule liegt das Hauptaugenmerk auf die Erstellung einer künstlerischen Bewerbungsmappe für ein Hochschulstudium im Jugendkurs. Der Zeitraum zur Herausbildung einer künstlerischen Handschrift beträgt 3-5 Jahre. Alle Bewerber aus meiner Schule sind angenommen wurden. Also eine schöne, erfüllte Arbeit.


Almut – Sophia Zielonka, Bautzen

Erde, Wohnort in Europa – dabei weit genug von Dresden entfernt, um einer gewissen klassischen Kühle die Treue zu wahren am Rande des sächsischen Barock.

Nach Jahren in Berlin, Dresden, München und Leipzig nahm mich der ursprüngliche Bautzener Boden im Jahre 2002 wieder auf. Dieser Weg ähnelt dem typischen Ablauf bei Handwerkern und Künstlern älterer Zeiten, die sich in der Welt umtaten, um sich anschließend wieder in der alten Heimat niederzulassen. Damit die Menschen wichtig werden können im Werk einer Malerin, sollte sie lange genug immer wieder die Gleichen um sich haben, rasche Fluktuation bietet hier unter Umständen weniger gute Bedingungen. Ein Ort der Entschleunigung ist dahingegen ideal.

Von meinem ersten künstlerischen Unterricht in Nadelwitz bei Bautzen Anfang der achtziger Jahre in der alten DDR, bei Hans Kutschke glaube ich nach großem zeitlichen Abstand immer noch, dass er der deutschlandweit Beste für meinen sehnlichen Wunsch, eine realistische Malerin zu werden, gewesen ist.

Da das Ziel beizeiten feststand, sich auch nach ausgiebiger Berührung mit der großen weiten Welt nicht geändert hat, vielmehr durch Reisen nach Frankreich, England und Italien Bestärkung erfuhr, hatte ich ausreichend Zeit dafür zur Verfügung. Was lange fehlte, um die Eindrücke zu etwas Eigenem umzuschmieden, war Abregung, Beruhigung, Konzentration. Dies alles fand sich für mich schließlich durch die Rückkehr nach Bautzen. Die Männer aus meiner Generation, die zeitgleich mit mir in Bautzen – Nadelwitz die Wege der Kunst beschritten, haben sich auf die Großstädte verteilt, die Frauen sind im Wesentlichen in der Region geblieben, beziehungsweise wieder dorthin zurückkehrt. Vor der Wende galt Bautzen als provinziell, man sehnte sich danach, der Stadt den Rücken zuzukehren. Nach der Wende und ausreichenden Reisen und Umzügen überwogen dann die schönen Seiten der weltoffen gewordenen Stadt. Die Arbeit des hiesigen Kunstvereins macht Bautzen schließlich zu einem Kulturstandort, der auch aus der Sicht der Dresdener attraktiv ist.


Cholud Kassem

Warum Heidelberg?

1982 kam ich nach Heidelberg, um mein Studium an der Pädagogischen Hochschule anzutreten (Hauptfach Kunst), abgeschlossen mit dem ersten Staatsexamen.

Für den Lehrerberuf mochte ich mich nicht wirklich entscheiden und arbeitete nach meinem Abschluss an der Mannheimer Kunsthalle als Museumspädagogin. Nebenher malte ich vor allem kleinere Formate und hatte erste Ausstellungen in der Region.

Hans Gercke, der damalige Direktor des Heidelberger Kunstvereins, wurde zufällig auf meine Arbeiten aufmerksam und so bekam ich meine erste institutionelle Ausstellung in den „heiligen Hallen“ des Kunstvereins. Da im Anschluss auch Anfragen größerer Galerien folgten, verwarf ich die Überlegung eventuell nach Berlin zu gehen und habe es bis heute nicht bereut in dieser schönen Stadt geblieben zu sein. Der Lebensalltag ist angenehm, man kann sich gut mit dem Fahrrad fortbewegen und vor allen Dingen: „Jeder“ kennt „Jeden“ und man ist sehr gut vernetzt.

Für meine Arbeit brauche ich keine Impulse einer großen Stadt. Ich arbeite meist in Serien, oft viele Monate am gleichen Thema. Die Motive, die fast ausschließlich mit „Schutz“ und „Abwehr“ zu tun haben, male ich Abends bis in die späte Nacht. Experimentelle Maltechniken, die ich selbst entwickelt habe, lassen es zu, dass ich im prozesshaften Verändern der Formen – in einer Art Meditation – sehr bei mir sein kann. Das ist ein großes Privileg. In einer Großstadt hätte ich zuviel Ablenkung, das wäre meiner Arbeit nicht sehr zuträglich.

Ich finde es wunderbar, zwei bis drei mal im Jahr in Berlin zu sein, hatte dort auch schon Ausstellungen in guten Galerien, aber leben wollte ich dort doch nicht.

Cholud Kassem


Karin Kopka-Musch

Über meine Malerei, Heidelberg und mich

Seit 2013 lebe und arbeite ich in Heidelberg und von hier aus.
Hergezogen bin ich, zumal mein Partner einem Ruf ans DKFZ gefolgt ist und wir mit unseren beiden Töchtern Heidelberg als Möglichkeitsraum ausgewählt haben.
Bereits aus Münster heraus, wo ich ein recht komfortables Atelierstipendium hatte und vor Ablauf abzubrechen mich entschied, kontaktierte, suchte, forschte ich danach, wo in Heidelberg ein Ort der Kreativität, des Austauschs, geeignet zur Produktion und zum Projektedenken, existiert.
Seit 2013 befindet sich mein Atelier im #DEZERNAT16, dem sog. Kultur- und Kreativwirtschaftszentrum Heidelberg in der ehemaligen Feuerwache Bergheim. Hier traf ich auf Neues. War ich zuvor meist in Kreisen akademisch gebildeter und auch geformter Künstler*innen aktiv, traf ich nun auf Menschen und Kreative mit sehr viel heterogeneren Lebens- und Ausbildungswegen. Mit divergierendem Kunstbegriff, anderem ästhetischen Empfinden, intensivem Gründergeist.
Zunächst verwirrte es mich etwas. Das Verständnis meiner Bedürfnisse, meiner Erwartung an den für mich günstigen Arbeitsort schien mir nicht existent zu sein. Alles eine Frage der Kommunikation und der Selbstaus- und aufrichtung. Von Neuem lernt man. In meiner Arbeit beschäftigte ich mich malerisch mit den Gegebenheiten des neuen Standorts. Wendete mich dem von mir als wunderschön, seiner ehemaligen Funktion als Feuerwehrautowerkstatt aber für die von mir angestrebte Funktionalität des Raumes schwierig sich erweisenden Raum zu. Ganz simpel beschäftigte mich in den ersten Wochen meiner Tätigkeit in Heidelberg der Boden meines angemieteten Atliers. Ein Stirnholzboden. Ölgetränkt, partikelreich. Holz wächst in Kreisen. Die Stirnholzelemente sind quaderartig beschnitten. Kultur. Funktion. Aneignung. Welche Kreise würde mein Wirken vom neuen Standort aus ziehen? Dieser Arbeitsblock war schon 2014 abgeschlossen. Er gilt mir etwas. Ich zeige ihn aktuell nicht in Ausstellungen.
Ab 2014/2015 interessierten mich vielmehr und zunehmend explizit die zwei Themen Raum für Kunst (mental und architektonisch begriffen) sowie das Paradoxon von Autonomie und Zusammenhang.
2015 kam es auf meine Initiative hin zu einer ersten Gruppenaktion mit Kreativen des #DEZERNAT16. In einer AKTION (so auch der Titel des Projekts) reisten mehrere Kreative von Heidelberg nach Hamburg in den dortigen Kunstverein 2025 und anschließend nach Dossenheim. Eine Installation aus nomadischer Wohnstätte, Bildern und Skulpturen schufen wir hierfür. Marius Ohl schuf die Graphik zur Kommunikation dieser AKTION.
2015 initiierte ich die Gründung des Kunstvereins KON.NEX ART e.V. Heidelberg. Seither haben die Initiatoren und Aktiven des Vereins diverse Kunstprojekte wie kuratierte Ausstellungen, Kooperationen mit anderen Kulturschaffenden der Region, Publikationen etc. realisiert. Die Arbeit am Ausstellungsprojekt Bautzen – Heidelberg laufen aktuell unter der Federführung von Marius Ohl. Dirk Welz, Marius Mrotzek und Cholud Kassem machen sich ebenfalls für das Projekt stark. Sie sind Mitglieder des KON.NEX ART e.V. Arvid Boecker als sehr engagierter Bildender Künstler mit selbst betriebenem Projektraum (boeckercontemporary) ist Initiator des Bautzen- Heidelbergprojekts.
In meiner eigenen Malerei wird das Thema Autonomie und Zusammenhang ausgelotet, ins Spiel geworfen, augenzwinkernd und forschend, mich stets selbst beobachtend und hinterfragend spanne ich meine malerischen Flügel durch Zeit und Raum. Zitiere, jubiliere, sortiere, doppele, generiere, formuliere, suche, finde. Wieviel Bild ist Bild? Malerei ist ganz simpel begriffen: Bewegung, Malmittel, Körper, Raum, Träger…
Die Historie der Malerei stets im Blick, durchmesse ich die Bedingungen und Bedingtheiten der Malereiproduktion, -präsentation und -rezeption.
Ich mache mir ein Bild von meiner Welt. Ich stelle es aus. Zur Verfügung. Infrage. Erst wenn es gesehen, durchdacht, von Sehenden erweitert und ergründet, besprochen wird, ist es Werk.
Ob meine Malerei an anderem Standort andere Formen und Inhalte hervorbringen und behandeln würde, kann ich natürlich nicht sagen.
Vorerst freue ich mich an diesem Standort. Reibe mich an ihm. Erlebe die Enge der Altstadtgäßchen, die Dichte der Bebauung, den Neckar in seiner Fließgeschwindigkeit. Die Anstrengung, die Berge zu erlaufen erscheint mir gar nicht mehr so anstrengend. Inzwischen jogge ich hoch. Höhen zu erreichen ist möglich und sehr befriedigend. Verschafft Weitsicht. Heidelberg ist Teil der Metropolregion. Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart, Frankfurt sind nicht fern. Meine aktuelle Ausstellung läuft in Osnabrück. Ostern fahre ich mal wieder gen Dresden. Im Sommer nach Schweden…geplant habe ich Weiteres. Die Welt ist von jedem Standort aus offen. Ich fühle meine Kraft und eine Gegenkraft. Einen Standpunkt braucht man. Jetzt gerad: Heidelberg.


Marius Ohl

Reflexionen zu meiner Malerei

Wie haben die Stadt Heidelberg und die Region Rhein-Neckar meine Malerei beeinflusst, wie sind sie gespiegelt?

Bei meinem ersten Besuch in Heidelberg 2007 fiel mir sofort der mediterrane Charakter der Region auf. Papageienartige Vögel flogen umher, es war Sommer und von größerer Hektik war nichts zu spüren. Die Neckarwiese, der Fluss, die Altstadt hatten etwas Unversehrtes. Ich erfuhr, dass die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg Heidelberg mit Bombardements verschont hatten… Man spürte auch sogleich amerikanische Einflüsse in Musik und Kultur, z.B. hatte das „Mandys“, ein einzigartiger Hamburger Laden in Heidelberg, die Ausstrahlung von Vertrautheit. Ähnlichkeiten zeigten sich zu Frankfurt, von wo ich 2011 in die Region zog. Was hatte mir so gefallen? Die Ruhe, die Gemütlichkeit, „der nahrhafte Boden“.

Jetzt, als ich in der Region lebte, zeigte sich unweigerlich und mit voller (Un-)Wucht der Unterschied zu Region und Lebensweise, in der ich mich bis zu meinem 31. Lebensjahr bewegt hatte: ein heftiger Kontrast zu meiner alten Welt voller Hektik, Unruhe und verschiedenster Eindrücke.

Bis heute brauche ich Ruhe zum Arbeiten. Äußere Impulse jedoch spielen neben dem Eigenen eine Rolle und fließen bewusst und vorbewusst, unterbewusst und experimentell in die genuine Sprache meiner Bilder mit ein. Die Entscheidung gegen große Metropolen hat sich für mich als stimmig erwiesen.

Gerade in Heidelberg angekommen, fingen zeitgleich einige neue Initiativen an, den Kulturstandort zu ergänzen und spannende neue Projekte in Gang zu setzen. Durch Zufall bekam ich zu Beginn in der Betaphase des späteren „Dezernat 16“ (Januar 2013), damals ehemalige Feuerwache, einen vorübergehenden Arbeitsraum. Als die Stadt beschloss, dieses Zentrum offiziell als festen Standort für Kreative einzurichten, bekam ich glücklicherweise einen festen Vertrag. Die Menschen im Zentrum leisteten zu Beginn Pionierarbeit, präsentierten ihre Arbeit bei einem ersten Tag der offenen Tür und machten sich für das Zentrum bei Oberbürgermeister und den Stadtratsfraktionen, bei vielen Interessierten und Neugierigen stark, die alle die Feuerwache besuchten und mit den Kreativen das Gespräch suchten.

Ich liebe es, Dinge von Anfang an wachsen zu sehen und davon ein Teil zu sein.

Eine tolle, neue Arbeitsphase mit vielen inspirierenden Menschen begann. Und die Wege sind sehr kurz alle Akteure kennenzulernen und in Austausch zu gehen. Ich bin angekommen in dieser Region der Möglichkeiten und möchte bleiben, unterstützt von meiner Tochter, einem Kind aus dieser Region.

Die Natur ist sehr oft ein wichtiges Element für mich, sowohl im persönlichen Erleben als auch im künstlerischen Schaffen… Von Main und Rhein herkommend über Odenwald und Pfälzerwald zum Neckartal ist meine Kunst entstanden.

Der Mensch, die Natur, die Stadt, die Welt – die Welten meine Themen.

Marius Ohl, Ende Februar 2018